17.12.2020

Jeanny Gucher &
Teresa Zimmermann

Das Potential unserer Intuition

Schon seit Adam und Eva wollen wir ergründen, warum wir auf die eine oder andere Weise agieren, denken und fühlen. Der Baum der (Selbst-)Erkenntnis trägt inzwischen unzählige Früchte, wie man diese Frage beantworten kann. Viele davon haben wir bereits gekostet: „Es ist unser Gehirn“, sagen die Neurologen. „Es ist unsere Geschichte“, sagen die Therapeuten. „Es ist unser moralischer Charakter“, sagen die Philosophen. „Es ist all das und mehr – nämlich die Entwicklung unseres Bewusstseins!“, sagen Forscher aus Harvard.  

Eine Hand streckt sich zum Licht und Spielt intuitiv mit der Lichtinformation
Consciousness is a Movement
Eine Laufmasche in der Realität

Wir alle kennen diese Momente im Leben, die in unserem Verstand eine Art Laufmasche erzeugen. In denen ein Zusammenhang fehlt, eine Erklärung offenbleibt, ein Gedanke unvollendet. Meistens lassen uns diese Augenblicke mit Fragen zurück: Was wollte er damit erreichen? Warum hat sie mir das nicht früher erzählt? Hab ich die anderen wirklich falsch verstanden? Die Laufmasche ruiniert für Sekunden oder auch Jahre unsere erlebte Realität, sie lässt uns an der Wirklichkeit, an unseren Motiven, Überzeugungen und im schlimmsten Fall an unserem Erinnerungsvermögen oder Geisteszustand zweifeln. „Du warst doch selbst dabei! Du musst das doch auch so gesehen/ erlebt/ gefühlt haben!“

Was bestimmt wirklich, wie wir unsere Realität erleben?

Dieser Frage gehen zwei Wissenschaftler aus Harvard, Robert Kegan[1] und Otto Laske[2], schon seit mehr als 2 Jahrzehnten nach und haben eine erstaunliche Antwort anzubieten: der Reifegrad unseres Unterbewusstseins, unserer Intuition bestimmt, wie wir die Welt sehen. Und zwar mit bis zu 95 % (!) so umfassend wie kaum ein anderer Faktor. Sie konnten nachweisen, dass folgende Punkte direkt aus unserem unbewussten Selbst kommen, und zwar BEVOR wir überhaupt in der Lage sind, darüber nachzudenken (Es ist vielmehr so, dass unser Unterbewusstsein bestimmt, was unser Verstand überhaupt als Information geliefert bekommt, um daraus logische Schlüsse zu ziehen):

  • Unser Fokus der Aufmerksamkeit & der Zeithorizont, den wir gut überblicken können
  • Unsere grundlegenden Muster in Beziehungen zu anderen Menschen & unsere Kommunikation
  • Unser Weltbild und unser intuitiver Umgang mit Regeln & Macht
  • Wie wir Sinn, Motivation & Werte verstehen und erleben
Die Entwicklungsstufen unserer emotionalen Reife

Diese Perspektiven sind nichts Statisches, sondern entwickelt sich unser ganzes Leben lang weiter.

Zur Zeit beschreibt die Forschung 7 Stufen, die wir in unserer Entwicklung durchlaufen, wobei die erste Stufe (1) – das Impulsive Selbst – unsere kindliche bzw. jugendliche Entwicklung beschreibt. Zwischen 15 und 25 startet dann unsere Entfaltung hin zur ersten Erwachsenenstufe (2), dem Heroischen Selbst. Die Grafik zeigt die ersten 5 Stufen und ihre Übergänge.

Ab dieser Stufe beginnt unser Weg sich ganz klar zwischen zwei Polen abzuspielen: einer ICH – Orientierung an den eigenen Interessen und Bedürfnissen und einer WIR – Orientierung an den Interessen und Werten einer Gruppe. Das Heroische Selbst (2), das Ethische Selbst (4) und das Kosmische Selbst (6) gehören zu den ICH Stufen der Entwicklung, das Soziale Selbst (3), das Holistische Selbst (5) und das Unitäre Selbst (7) zählen zu den WIR Stufen.

 

Die Übergänge zwischen den Stufen erleben wir meist wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Sehr oft treten verschiedene Arten von Krisen und Konflikten auf, um unsere Entwicklung voranzutreiben. Die berüchtigte „Midlife-Crisis“ entspricht zum Beispiel dem Übergang vom Sozialen Selbst zum Ethischen Selbst und wird in unserer Gesellschaft oft zwischen dem vierzigsten und fünfzigsten Lebensjahr zum Thema.

our patterns Graphik über die Entwicklungsstufen der emotionalen Reife & Intuition
Consciousness is a Movement
Mehr Radiosender - Mehr Handlungsspielraum

Wir können diese Entwicklung unserer Intuition auch mit einem Radiogerät vergleichen, das zu Beginn der Reise nur eine sehr schmale Bandbreite empfangen kann. Je weiter wir kommen, desto mehr Frequenzen können wir einstellen und umso mehr Radioprogramme sind zu hören. Dennoch werden wir immer einen Lieblingssender haben, den wir automatisch aufdrehen und viele Lieder mitsingen können. (Das ist unser CENTER of GRAVITY, also die Stufe, aus der wir gerade bevorzugt handeln.) Die anderen Programme haben aber nicht aufgehört zu senden, wir könnten jederzeit auch eine andere der bereits bekannten Frequenzen einstellen. Aber sehr wahrscheinlich nicht für lange, unser früherer „Musikgeschmack“ nervt oder langweilt uns recht schnell.

Auch in unserer Kommunikation ist diese Radiometapher sehr sinnvoll. Sie erklärt die Laufmasche im Kopf und wie es sein kann, dass zwei Menschen dieselbe Situation grundlegend anders wahrnehmen: Die Filter, die Bandbreite, die die eine Person gerade eingestellt hat, lassen ganz andere Informationen durch als die Filter des Gegenübers. So sind Missverständnisse quasi vorprogrammiert, es entstehen unterschiedliche Erinnerungen, weil verschiedene Informationen im Verstand ankommen und damit als relevant betrachtet werden. Als ob unser Radio einen schlechten Empfang hat und rauscht.

Ein Sendemasten vor dem Sternenhimmel versinnbildlicht, wie die Entwicklungsstufen der menschlichen Intuition erklären, wieviel Information empfangen
Ein Sendemasten vor dem Sternenhimmel versinnbildlicht, wie die Entwicklungsstufen der menschlichen Intuition erklären, wieviel Information empfangen
Die Filter bestimmen unsere Realität!

Diese Filter gibt es auf jeder Entwicklungsstufe! Sie funktionieren über bewusste bzw. unbewusste Annahmen, die wir zu einem bestimmten Menschen oder einer Situation haben. Diese Grundannahmen, unsere inneren Heuristiken und Erfahrungswerte geben uns eine schnelle und einfache Orientierung in unserer Welt. Unser Gehirn will diese Denkpfade anlegen, um mehr Sicherheit zu schaffen und effizient zu sein. Damit gibt unsere Entwicklungsstufe auch eine Antwort auf die Frage, warum wir Dinge so tun, wie wir sie tun. Denn die Motive hinter unseren Handlungen ändern sich ebenfalls sehr stark von Stufe zu Stufe.

 

Im Durchschnitt entwickeln wir uns in 10 bis 15 Jahren von einer Stufe zur anderen. Es gibt jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen unserem Alter und unserem intuitiven Wachstum. Wir können unser ganzes Leben in einer Phase verbringen – aber das ist unwahrscheinlich. Quantitative Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die meisten Erwachsenen (ca 2/3) zwischen den Stufen 2 (dem Heroischen Selbst) und dem Übergang zu Stufe 4 – der Emanzipierenden Passage – befinden. Nur ein Viertel wurde auf Stufe 4 getestet, dem Ethischen Selbst. Die nächste Passage ist aufgrund einer tiefen neurologischen Integration unseres Gehirns etwas ganz Besonderes, daher der Name: Transformierende Passage. Weniger als 10% von uns erleben diese Phase während ihres Lebens. Das Holistische Selbst wird selten erreicht und wenn ja, normalerweise ziemlich spät im Leben. Stufe 6 und 7 sind uns als Gipfelerfahrung[3] zugänglich und zeigen das Potential unseres Bewusstseins auf, wir leben sie aber nicht als „Alltagsbewusstsein“ oder Center of Gravity.

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Orientierung, Möglichkeiten, Handlungsspielraum

Jede Phase, jeder Lebensabschnitt hat herrliche Momente und Schattenseiten. Es gibt keine „bessere“ Entwicklungsstufe, nur frühere und spätere. Jede Phase hat ihre ganz typischen Ressourcen, charmanten Aspekte und auch blinde Flecken oder Konfliktpotential. Wie ein 4 Jahre altes Kind nicht „besser“ ist als sein 2 Jahre alter Bruder. Es hat einfach mehr Erfahrungen gesammelt und damit mehr Handlungsspielraum erlangt. Wir verstehen das Modell der Entwicklungsstufen nicht als Bewertung, es gibt uns in erster Linie Orientierung, wie weit wir unser intuitives Potential bereits nutzen und was noch alles an Möglichkeiten vor uns liegt. Wenn Du nun Lust bekommen hast, mehr über das Potential Deiner Intuition herauszufinden, geht’s HIER zum Test.

[1] Robert Kegan: The Evolving Self, Havard University Press

[2] Otto Laske: Potenziale in Menschen erkennen, wecken und messen: Handbuch der entwicklungsorientierten Beratung 2011

[3] Abraham Maslow hat bereits in den 60iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dieses Bewusstseinsphänomen beschrieben: In einer Gipfelerfahrung können wir für kurze Zeit das Wahrnehmungsspektrum, die Bedeutungs- und Handlungsebenen dieser Entwicklungsstufe erleben, sie aber nicht konstant und stabil als Verhaltensmuster etablieren.

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